Teilen als Wegwerfbremse

Shownotes

Anthea Roth predigt über Jesaja 58, 1-11

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00:00:08: Schrei so laut du kannst, halte dich nicht zurück.

00:00:13: Das was jetzt kommt ist so wichtig dass jeder es hört das ich möchte dass jeder Es hört.

00:00:21: damit beginnt der Bibel Text der der heutigen Predigt zugrunde liegt.

00:00:26: Gott spricht hier zum Propheten Jesaja.

00:00:29: er gibt ihm einen Auftrag.

00:00:32: Jesaja soll dem Volk Israel Gottes Botschaft weitergeben Und ich bin gedanklich tatsächlich zunächst an diesem ersten Vers hängen geblieben.

00:00:42: Das Inhaltliche kommt erst noch, aber hier gibt es am Anfang quasi eine Regieanweisung.

00:00:52: Die lautet Rufe aus voller Kehle halte dich nicht zurück.

00:00:57: erhebe deine Stimme wie ein Horn.

00:01:01: das wiederhorn galt damals als Signal horn zur Warnung vor Gefahren zur Versammlung des Volkes oder vielleicht auch bei religiösen Festen.

00:01:12: Gott macht hier deutlich, dass was jetzt kommt ist wichtig.

00:01:16: Damals wurden wichtige Informationen von Mund zu Mund weitergegeben und je eindringlicher etwas verkündet wurde – und ja das hatte auch mit Lautstärke zu tun, desto mehr Leute haben es gehört!

00:01:31: Diese erste Sätze gehen noch weiter nämlich so Rufe aus voller Kehle, halte nicht zurück.

00:01:40: Erhebe deine Stimme wie ein Horn und verkünde meinem Volk sein Vergehen und dem Haus Jakob seine

00:01:47: Sünden.".

00:01:49: Es ist also ein Leute.

00:01:52: hört her.

00:01:52: wir müssen reden.

00:01:54: Gott hat euch etwas zu sagen.

00:01:57: Etwas läuft gewaltig schief.

00:02:02: Aber bevor wir zur eigentlichen Botschaft kommen lasst uns kurz nochmal einen Schritt zurück und schauen, in welcher Zeit wir uns hier eigentlich befinden.

00:02:13: Jesaja lebte ungefähr in der Mitte zwischen Moses und Jesus – etwa zwischen siebenhundertfünfzig und sechshunderteinundachtzig vor Christus.

00:02:22: Diese Zeit war geprägt durch zahlreiche Feldzüge und Eroberungen durch Israels Nachbarn.

00:02:29: Das heißt, in dieser Zeit und auch nach Jesajas Tod gab es viel Unterdrückung für die Israeliten.

00:02:37: Auf die Eroberung durch die Asyra folgte die Babylonische Herrschaft und damit verbunden das sogenannte Babylonische Exil der Israeliten.

00:02:47: Der Text aus Jesaja-ятьundfünfzig spricht in die Zeit, nachdem die Israeliten aus dem Exil zurückgekehrt sind.

00:02:55: Und diese Rückkehr war mit großer Hoffnung verbunden – einem Neuanfang!

00:03:03: Doch schon bald kehrte die Ernüchterung ein….

00:03:07: Der Wiederaufbau brachte soziale und wirtschaftliche Probleme nicht automatisch zum Verschwinden.

00:03:15: Ungleichheit, Unterdrückung und Konflikte innerhalb der Gemeinschaft bestanden weiter.

00:03:22: eigentlich so könnte man denken eine ganz normale Gesellschaft quasi wie heute oder das ist der Kontext in denen diese Worte gesprochen wurden.

00:03:41: Prophet Jesaja soll den Israeliten ihr Vergehen vorhalten, das was schiefläuft.

00:03:47: Schauen wir also weiter in den Text.

00:03:54: Was die Israeliten beibehalten haben war ihre religiöse Praxis – also auch während der Zeit, in der sie im Exil waren und eben darüber hinaus.

00:04:04: Und das zeigt sich in Vers zwei.

00:04:07: Gott spricht hier weiter.

00:04:09: Zwar befragen Sie, Und es gefällt Ihnen, meine Wege zu kennen.

00:04:16: Wie eine Nation die Gerechtigkeit übt und das Recht ihres Gottes nicht verlassen hat, fordern Sie von mir gerechte Entscheidungen haben gefallen daran Gott zu

00:04:27: nahen.".

00:04:30: Die Kritik in diesem Vers ist ein wenig versteckt.

00:04:33: Es klingt nämlich so als würde Gott die Israeliten mit einer gerechten Nation vergleichen.

00:04:40: Das Gegenteil ist hier allerdings der Fall.

00:04:42: Gott stellt sie einem gerechten Volk gegenüber.

00:04:46: Nicht Sie sind das gerechte Volk, Sie tun viel mehr nur so als ob!

00:04:52: Die Israeliten beklagen sich bei Gott.

00:04:56: Warum fasten wir und du siehst es nicht?

00:04:59: Demütigen wir uns und du merkst es

00:05:01: nicht.".

00:05:04: In der Predigt letzte Woche ging es ums Fasten.

00:05:08: Wir haben gehört dass der Verzicht auf etwas zum Beispiel auf Nahrung Raum schafft für etwas Neues für Gottesbegegnungen.

00:05:18: Fasten bedeutet einen neuen Fokus setzen, sich neu auszurichten auf Gott.

00:05:24: Die Israeliten nutzen hier das Fasten als Ausdruck religiöser Praxis – allerdings ohne dass diese Praxis in die Tiefe geht!

00:05:34: Sie nutzen das.

00:05:35: Fastener ist etwas, was sie kennen und was einfach zu ihrem religiösen Leben dazugehört und von dem sie denken, dass es Mittel zum Zweck ist um Gott zu gefallen.

00:05:47: Wir demütigen uns, meint sich vor Gott abhängig und bedürftig zu machen.

00:05:54: Allerdings nicht als Aushängeschild, nicht um verandert irgendwie zu glänzen sondern in tiefer innerer Beziehung.

00:06:03: Und hier liegt der Knackpunkt Wenn das Fasten der Israeliten tatsächlich auf die Gottesbeziehungen ausgerichtet gewesen wäre bin ich überzeugt davon dass Gott das gemerkt hätte.

00:06:16: Aber Gottes Antwort auf die Frage der Israeliten zeigt, dass diese religiöse Praxis nur aufgesetzt ist und nicht die Gottesbeziehung durchdringt.

00:06:27: Woran wird das sichtbar?

00:06:34: Gott spricht weiter in Vers drei Zur Zeit fastet ihr nicht so, dass ihr eure Stimme in der Höhe zu Gehör brechtet.

00:06:55: Ist ein Fasten an dem ich gefallen habe etwa wie dies?

00:06:59: Ein Tag, an dem der Mensch sich demütigt?

00:07:03: Seinen Kopf zu beugen wie eine Binsel und sich in Sacktuch-und Asche zu betten?

00:07:08: Nennst du das einen Fasten oder einem dem Herrn wohlgefälligen Tag?

00:07:14: Hier kommen die religiöse Praxis und die gesellschaftlichen Umstände zusammen!

00:07:19: Gott fordert durch den Propheten dazu auf, im eigenen Tun innezuhalten und das Tun zu reflektieren.

00:07:28: Er beschreibt den Istzustand sozusagen die Beobachtung.

00:07:32: Ihr fastet einerseits und ihr verhaltet euch streitvoll gierig und unfair andererseits.

00:07:40: Durch die Fragen, die dann folgen wird das Volk dazu aufgefordert darüber nachzudenken Und es schleicht sich vermutlich auch ein kleiner innerlicher Widerspruch ein Bei der Frage, nennst du das ein Fasten und einen dem Herrn wohlgefälligen Tag?

00:07:58: Schleißt sich schon so ein ganz kleines Bisschen dieses Gefühl ein?

00:08:02: Wahrscheinlich nicht.

00:08:06: Fasten soll keine Leistung sein mit der man Gottes Aufmerksamkeit verdient sondern Ausdruck einer Hinwendung zu Gott die das Leben verändert.

00:08:16: Gottesdienst und Fasten lassen sich nicht von Gerechtigkeit beim Herzlichkeit und praktischer Solidarität trennen.

00:08:25: Aber genau diese Trennung ist offensichtlich bei den Israeliten in der beschriebenen Zeit der Fall.

00:08:31: Sie trennen ihre Gottesbeziehung von ihrer Mitmenschlichkeit, und hier kommt nun übrigens die Brücke vom Fasten zum Teilen als Wegwerfbremse.

00:08:44: Gott selbst macht deutlich was ihm wichtiger ist als dieser Verzicht auf Nahrung als religiöse Praxis.

00:08:56: Ist nicht viel mehr das ein Fasten an dem ich gefallen habe?

00:09:00: Ungerechte Fesseln zu lösen, die Knoten des Joches zu öffnen, gewalttätig Behandelte als Freiebzu entlassen und das ihr jedes Joch zerbrecht?

00:09:11: Besteht es nicht darin dein Brot dem Hungrigen zu brechen und dass du heimatlose Elende ins Haus führst.

00:09:19: Wenn Du einen Nackten siehst, dass Du ihn bedeckst und dass Du Dich Deinem Nächten Nicht entziehst?

00:09:28: Auch hier bringen dir rhetorischen Fragen wieder ein inneres Jahr hervor.

00:09:33: Gott könnte ja auch sagen, so sieht ein Fasten aus das mir gefällt Doppelpunkt.

00:09:38: Und dann folgt die Aufzählung.

00:09:42: Die Frageform macht aus einer bloßen Aufzählungen von Pflichten eine Einladung zur Einsicht.

00:09:49: Ist es nicht genau das worauf es ankommt?

00:09:54: Schauen wir uns etwas genauer an was da in dieser Aufzählungs steht und was damit gemeint war und ist.

00:10:05: Ungerechtigkeit beenden.

00:10:09: Hierfür werden unterschiedliche Bilder genutzt.

00:10:12: Ungerechte Fesseln lösen, die Knoten des Jochs zu öffnen, gewalttätig Behandelte als Freie zu entlassen.

00:10:24: Das israeletische Erfolg ist aus dem Babylonischen Exil zurückgekehrt.

00:10:28: Sie haben selbst erlebt wie es ist unterdrückt zu werden und trotzdem setzen sich diese ungerechten Strukturen fort.

00:10:39: Menschen gerieten in Schuldknechtschaft, Ausbeutung und Abhängigkeiten.

00:10:44: Und konnten sich kaum selbst daraus befreien.

00:10:48: Der Prophet kritisierte eine Gesellschaft, in der Menschen religiös handeln aber gleichzeitig andere unter ungerechten Bedingungen leben lassen.

00:10:59: Wenn wir genau hinschauen gibt es diese Abhängigkeit auch bei uns.

00:11:05: Teilweise im eigenen Land Teilweise auch zum Beispiel in den Produktionsketten, von denen wir hier ebenfalls profitieren.

00:11:15: Es ist ein bisschen leichter geworden, hierzulande die Augen davor zu verschließen aber es ist zu einer globalen Aufgabe geworden das Menschen eben nicht benachteiligt oder ausgebeutet werden und dass eine Kritik struktureller Art.

00:11:34: der zweite Punkt – das vorhandene Teil Das Brot dem Hungrigen brechen, Heimatlose ins Haus führen, Nackte bekleiden.

00:11:43: Sich demnächst nicht

00:11:44: entziehen.".

00:11:46: Ich finde es an dieser Stelle spannend dass es hier um grundlegende Bedürfnisse geht.

00:11:53: Zum Ersten das bedürfnis nach Nahrung.

00:11:56: Prich dem Hungringen dein Brot!

00:11:59: Brot als das Bild für die tägliche Versorgung.

00:12:03: Wer sein Brot teilte gab etwas ab das er selbst zum Leben brauchte.

00:12:08: Es ging also nicht nur um überschüssige Vorräte.

00:12:12: In einer Gesellschaft ohne heutige soziale Sicherungssysteme konnte die Unterstützung durch andere überlebenswichtig sein, aber auch hier merken wir es gibt Menschen in unserer globalen wie auch deutschen Gesellschaft die so nah an der Armutsgrenze sind dass sie auch in Bezug auf Lebensmittel haushalten müssen und gleichzeitig werden Unmengen von Lebensmitteln täglich weggeworfen.

00:12:40: Es wird weggeworfen, statt zu teilen.

00:12:44: Die Tafel und auch Food Sharing seien beispielhaft genannt.

00:12:47: sie fungieren bundesweit als Wegwerfbremse.

00:12:51: Sie verteilen Lebensmittel weiter setzen sich ein für mehr soziale Gerechtigkeit und mehr Lebensmittel Wertschätzung.

00:12:59: Das ist gut und gleichzeitig nicht genug um die strukturellen Missstände zu beheben.

00:13:07: Ein zweites Bedürfnis um das es geht dass du heimatlose Elende ins Haus führst.

00:13:17: Gastfreundschaft und die Aufnahme von Reisenden waren damals wichtige Formen sozialer Unterstützung.

00:13:25: Menschen ohne eigenes Zuhause oder eben auf Reisen, waren auf Schutz Unterkunft und Versorgung durch andere angewiesen.

00:13:34: Heute gibt es für Reisende eine Infrastruktur Aber zählt das auch für Heimatlosen?

00:13:41: Geflüchtete Menschen?

00:13:46: Zum Bedürfnis nach Sicherheit gehört auch Kleidung dazu.

00:13:50: Die Schutz ist vor Kälte und Wetter, und damit ein lebensnotwendiges Gut.

00:13:56: Für arme Menschen konnte damals der Verlust eines Kleidungsstücks eine erhebliche Notlage bedeuten.

00:14:04: Die Aufforderung hier zählt auf konkrete Hilfe.

00:14:08: Wer den Mangel eines anderen erkennt soll nicht wegsehen – und zu guter Letzt soziale Bedürfenisse!

00:14:18: sich dem Nächsten nicht entziehen.

00:14:22: Wir alle haben Sie diese sozialen Bedürfnisse, die Zugehörigkeit oder das Bedürftnis nach Zugehöhrigkeit zu Gruppen, Freundschaften, Liebe, Familie und soziale

00:14:33: Interaktion.".

00:14:35: Eines der bekanntesten Zitate Martin Bubers lautet alles wirkliche Leben ist Begegnung!

00:14:42: Wenn wir uns unseren Nächten entziehen dann nehmen wir etwas weg von diesem wirklichen Leben.

00:14:51: Was hier adressiert wird, ist strukturelle Kritik.

00:14:56: Wenn Gott die Vergehen der Israeliten anprangert und dem gegenüberstellt wie ein ideales Verhalten wäre geht es nicht nur um individuelles Handeln sondern um eine Gesellschaftsstruktur, die versorgt und nicht ausbeutet.

00:15:12: natürlich können wir daraus auch immer wieder individuelle Schlüsse ziehen unser Verhalten anpassen und ethischer gestalten.

00:15:20: Das Problem muss aber auf anderer Ebene gelöst werden.

00:15:25: Und trotzdem soll das nicht als Entschuldigung dienen, gar nichts zu tun!

00:15:29: Es gibt Organisationen und Vereine die sich für mehr Gerechtigkeit einsetzen, die wir unterstützen können.

00:15:36: Der Verein Micha-Deutschland

00:15:37: e.V.,

00:15:39: auf dessen Idee diese Predigtreihe aufbaut ist einer davon – sie leisten diesbezüglich gute Aufklärungsarbeit und haben es sich zur Aufgabe gemacht, Impulse in Gruppen- und Gesellschaft hineinzugeben.

00:15:55: Das Interessante in diesem Bibeltext ist übrigens das auf die Kritik und Aufforderung zu Verhaltensänderungen eine Verheißung folgt – keine Strafandrohung!

00:16:07: Wenn auch der Abschnitt damit beginnt dass Gott den Israeliten vor Augen hält was falsch läuft endet Gottes Ansage unerwartete Weise damit was für einen Unterschied ihr Handeln machen würde.

00:16:21: Und zwar, für sie selbst!

00:16:24: Wir wissen Gott ist ein Gott der Gerechtigkeit und an dieser Stelle malt Gott ein wunderschönes hoffnungsvolles Bild – ein Bild für diejenigen, die sich für Gerechtigkeiten einsetzen.

00:16:40: Dort steht «Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte und deine Heilung wird schnell sprossen».

00:16:48: Deine Gerechtigkeit wird vor die Herd ziehen, Die Herrlichkeit des Herrn wird deine Nachhut sein.

00:16:54: Dann wirst du rufen und der Herr wird antworten.

00:16:57: Du wirst um Hilfe schreien Und er wird sagen Hier bin ich.

00:17:01: Wenn du aus deinem Mitte fortschaffst Das Joch das Fingerausstrecken und Böses reden Und wenn du dem Hungrigen deinen Brot da reichst Und die gebeugte Seele setigst Dann wird dein Licht aufgehen in der Finsternis und dein Dunkel wird sein wie der Mittag.

00:17:22: Und beständig wird er her dich leiten, und er wird deine Seele setzigen an Orten der Dürre und deine Gebeine stärken.

00:17:30: Dann wirst du sein wie ein bewässerter Garten und wie ein Wasserquell, dessen Wasser nicht

00:17:35: versiegt.".

00:17:38: Was könnte ich dem noch hinzufügen?

00:17:42: Es ist mein Wunsch das Du diese Verheißung an Dich heranlässt – und dass sie Dich dazu anspornd dich immer wieder neu für Gerechtigkeit einzusetzen.

00:17:58: Amen!

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