Erlöst von Scham

Shownotes

Pastor Michael Rohde predigt über das Thema Scham in Lukas 15, 11-32, Hebräer 2, 11-12 und Römer 1, 16.

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00:00:06: Ist von Scham.

00:00:09: Also Moment mal, Scham ist ein ganz wichtiges, natürliches, urmenschliches Gefühl.

00:00:18: Am Anfang könnte man sagen, erzählt die Bibel von der Scham.

00:00:21: Am Anfang war die Scham.

00:00:24: So erzählt ist die Schöpfungsgeschichte der Bibel.

00:00:26: Adam und Eva gingen die Augen auf und sie erkannten, dass sie nackt waren.

00:00:31: Und ihr Umgang mit der Scham ist, dass sie sich erst mal feigen Blätter machen, einen Ländenschutz.

00:00:39: Scham ist also ein urmenschliches Gefühl.

00:00:43: Und das wissen nicht nur Bibelleser, das wissen auch Verhaltensforscher und Äthnologen, die feststellen, im Tierreich gibt es kein Tier, das Bedürfnis hat, seine Genitalien zu verdecken, aber die Menschen.

00:00:59: Also über alle Kulturgrenzen hinweg hat man festgestellt, es gibt Schamgrenzen, es gab sie und es gibt sie.

00:01:06: Scham gibt es nur bei Menschen.

00:01:09: Ein Mensch fühlt sich entblöst, nackt, wenn er vor anderen Hüllen losdasteht und sein Körper oder sein Inneres vor anderen da, unfreiwillig dem Blicken anderer Preis gegeben ist.

00:01:24: Wir merken, Scham ist ja nicht nur etwas Äußeres, es ist etwas Inneres.

00:01:29: Und irgendwann sagen uns auch die Entwicklungspsychologen zwischen Kindergarten und Schule, wollen sich Kinder nicht mehr nackt zeigen.

00:01:38: Sie entwickeln ein natürliches Schamgefühl.

00:01:41: Sie grenzen sich ab.

00:01:43: Sie bekleiden sich.

00:01:44: Sie verhüllen sich.

00:01:45: Sie machen die Tür zu.

00:01:48: Und da benötigen Eltern Sensibilität im Umgang, diese Grenzen auch zu respektieren und einzuhalten.

00:01:56: Also Scham ist ein ganz wichtiges, ein schützendes Gefühl.

00:02:01: Und das muss sich entwickeln.

00:02:03: Und damit es sich entwickelt, muss man erstmal sich seiner selbst bewusst sein, wer bin ich und die sozialen regeln können.

00:02:10: Und wenn man in der Bibel liest, ist das interessant, wie Gott damit Charme umgeht, nämlich Gott respektiert die Charme.

00:02:17: Er handelt sogar fürsorglich.

00:02:20: Dieses gesunde Charmgefühl der Urgeschichte.

00:02:22: darauf reagiert Gott.

00:02:23: Es wird davon erzählt, dass Gott diesen provisorischen Ländenschutz, die Feigenblätter der Menschen, ersetzt.

00:02:31: Upgraded könnte man sagen.

00:02:32: In ersten Mose drei, einundzwanzig steht Gott.

00:02:35: der Herr macht für Adam und Eva und seine Frau, also für Adam und seine Frau Kleider aus Fällen.

00:02:43: Die zog er ihnen an.

00:02:46: Ist das nicht eine originelle, humorvolle Stelle, dass Gott so fürsorglich handelt, dass er dafür sorgt?

00:02:53: dass der Mensch geschützt ist, dass er sich erleben kann und dass die natürliche Scham bleibt.

00:02:59: Also Gott zerreißt nicht die Feigenblätter und sagt, ihr braucht das nicht, sondern er sorgt für einen angenehmen, für einen haltbaren Schutz durch hier Tierfälle.

00:03:11: Sozusagen der erste Textilhändler, wenn man so will.

00:03:15: Er löst von Scham.

00:03:17: Irgendwie ist das dann ja ein komisches Thema.

00:03:20: Und ich habe dieses Thema diese Woche innerlich bewegt und ich möchte euch anhand von drei Beispielen erzählen, wie Scham auch erlösungsbedürftig sein kann.

00:03:32: Erstes Beispiel, beschämt werden.

00:03:35: Ich werde beschämt.

00:03:38: Aus meiner Kindheit aus der Grundschulzeit erinnere ich eine ungesunde Art mit Beschämung.

00:03:44: Ich bin im Priestoff aufgewachsen und in unser Grund Schule gab es einen schönen Pausenhof, an dem wir uns dann zum Spielen in den Pausen aufgehalten haben.

00:03:54: Aber wenn ein Kind etwas Verbotenes getan hat, dann gab es eine von den Lehrern verhängte Strafe und die bedeutete, dass man in der Pause, in der Ecke stehen musste, mit dem Gesicht zur Wand.

00:04:08: Sozusagen eine Schämdichecke.

00:04:13: Und hier passiert etwas Interessantes.

00:04:14: Hier werden Schuld und Scham miteinander verknüpft.

00:04:19: Weil jemand etwas Verbotenes getan hat, wird er vor der Gruppe beschämt.

00:04:26: Er wird an den Pranger gestellt.

00:04:28: Vor der Gruppe in diese schämlich Ecke.

00:04:32: Deshalb diese ganzen Finger, die auf jemanden zeigen.

00:04:36: Und Schuld wird hier nicht ausgeglichen durch ein Urteil, durch eine Ersatzleistung.

00:04:43: Vieles, was wir uns zu Schulden kommen lassen, kann man ja reparieren, ausgleichen, daraus lernen.

00:04:49: Natürlich gibt es auch Schuld, die einen Schaden verursacht, den man nicht wieder gut machen kann.

00:04:55: Und was dann bleibt, ist oft die Scham.

00:04:58: Hier aber wird die Scham benutzt als Echtung, als Beschämung.

00:05:06: Und das Gefühl für denjenigen, der da in der Ecke steht, ist, ich werde beschämt.

00:05:13: Schon damals als Grundschulkind fand ich das nicht gerecht.

00:05:16: Ich fand es auch nicht menschlich, human.

00:05:18: Besonders weil in der Zeit in meiner Erinnerung besonders Kinder bestraft wurden, die aus dem Heim kamen.

00:05:24: Wir hatten nämlich ein Heim im Ort Priestorf und einige der Kinder waren doch auffallend häufig in dieser Ecke und wurden sozusagen sozial geächtet, isoliert.

00:05:35: Man nennt das heute auch eine schwarze Pädagogik.

00:05:39: Also Beschälmung ist Verletzung der Würde des Menschen.

00:05:44: Beschämt werden, gemobbt werden, bloßgestellt werden, ist eine Form von Gewalt.

00:05:52: Es ist eine Form von Sünde und eine Gewalt, die seelisch wehtut.

00:05:59: Ich werde beschämt, diese Art von Menschen miteinander umzugehen durch eine Gruppe, die braucht Erlösung.

00:06:08: Das muss ein Ende haben.

00:06:11: Zweites Beispiel, ich schärme mich.

00:06:15: In einer Gemeinde kam eine Frau zu mir zu einem Aufnahmegespräch und sie wollte Mitgliedergemeinde werden und das öffentlich machen und auch erzählen, was ich euch jetzt erzähle.

00:06:25: Denn zu meiner Überraschung hat sie mir erzählt, dass sie schon seit einigen Jahren kommt, dass sie aber anonym bleiben wollte und dass sie immer schon erst während des Orgelvorspiels sich auf der Empore hingesetzt hat und schon während des Nachspiels gegangen ist.

00:06:41: Denn sie wollte auf keinen Fall angesprochen werden und erkannt werden.

00:06:48: Warum?

00:06:49: Sie hat von sich gesagt, ich habe mich so geschämt.

00:06:55: Sie schämte sich dafür, dass sie geschieden war und das Scheitern ihrer Ehe hat sie so verletzt in ihrem Selbstwert, dass sie darauf auf keinen Fall angesprochen werden wollte.

00:07:07: Und jetzt aber, nach einigen Jahren der Zugehörigkeit, anonym, hat sie einen inneren Wert gefunden, dass sie meinte, jetzt kann ich davon reden.

00:07:17: Jetzt kann ich das öffentlich sagen.

00:07:20: Jetzt kann ich sozial interagieren.

00:07:23: Der hat das dann sogar im Gemeindebrief geschrieben.

00:07:26: Und mich hat diese Erfahrung sehr berührt, denn mir ist bewusst geworden, wie schwer jemand an seiner Scham tragen kann im Verborgenen.

00:07:36: Auch wenn die Gemeinde gar keinen strengen Umgang mit dem Thema Scheidung hatte und Geschiedene nicht geächtet hat, war Ihre innere Bewertung, wenn das Menschen über mich wissen, dann mögen Sie mich nicht, erkennen Sie mich nicht an, dann nehmen Sie mich nicht an.

00:07:54: Schamgefühle verbinden ganz oft Schuld mit einem Gefühl, mit diesem Schamgefühl.

00:08:00: Und Schamgefühle sagen nicht, ich habe einen Fehler gemacht.

00:08:04: sondern Schamgefühle sagen, ich bin ein Fehler.

00:08:10: Du könntest ja sagen, ich habe ein Versprechen gebrochen, dass ich aus vollem Ernst gegeben habe oder ich habe einen Vorhaben, dass ich hatte nicht erreicht und ich darf darüber reden.

00:08:22: Es gehört zu meinem Leben, aber die Scham flüstert dir, ich bin ein Versager.

00:08:31: Und wenn die anderen davon wüssten, dann wäre ich nicht mehr liebenswert für sie.

00:08:37: Sie würden mich vielleicht sogar ausstoßen.

00:08:42: Und das sind leider nicht nur Gefühle von Menschen, sondern das ist in christlichen Gruppen und Gemeinden auch so, dass man somit Sündern umgegangen ist, dass man sie an den Pranger gestellt hat, dass man sie ausgeschlossen hat und dadurch diese Schamgefühle ja noch gefördert hat.

00:08:57: Ich schäme mich, weil die Erfahrung einer Frau aber verbunden mit einem langen Weg der Annahme und sie konnte dann sagen, jetzt gehöre ich dazu, jetzt kann ich darüber reden.

00:09:08: Jetzt kann ich darauf angesprochen werden.

00:09:11: Und mir fällt gerade ein, dass am letzten Donnerstag bei der evangelischen Allianz Gebetzwoche das Thema war Gottes treu, auch in schweren Zeiten.

00:09:19: Und der Prediger aus der FPG hat dann angefangen darüber zu reden, ja, das ist eigentlich genau mein Thema.

00:09:24: Und ich muss euch jetzt sagen, was ich für eine schwere Zeit hatte.

00:09:27: Und er hat auch über dieses Thema gesprochen, in dem Fall, wie er damit umgegangen ist, dass er mit Mitte dreißig, ja.

00:09:35: seine Ehe geschieden wurde und er an diesem Anspruch, den er an sich selber hatte, auch als Pastor gescheitert ist.

00:09:43: Und er hat dann darüber geredet, dass Gott ihm treu war.

00:09:47: Ich schäme mich.

00:09:48: Das gibt es in ganz vielen Varianten.

00:09:51: Ich kann mich nämlich auch für etwas schämen, dass ich selber gar nicht verantworten muss, dass mit meiner Schuld oder meinem Beitrag zu etwas gar nichts zu tun hat.

00:10:00: Es gibt Menschen, die schämen sich dafür, dass sie aus einer armen Familie kommen.

00:10:08: Es gibt Kinder, die sich dafür schämen, dass sie sich nicht das leisten können, was die anderen Kinder sich leisten können.

00:10:14: Und es gibt es als Erwachsener auch.

00:10:16: Es gibt Menschen, die sich dafür schämen, dass sie keine Universität besucht haben.

00:10:22: Gestern erzählte mir einen Kollege, dass ihr Segnungsgottesdienst zur Schulabschluss bei ihnen immer hieß Segnung der Abiturienten.

00:10:30: Und dann hat er den Kollegen angesprochen gesagt, wieso eigentlich nur Abiturienten?

00:10:33: Ja, wieso?

00:10:34: Es gibt doch keine anderen.

00:10:35: Und das war ja quasi eine Arroganz von.

00:10:38: Das ist doch selbstverständlich.

00:10:39: Nein, das ist nicht selbstverständlich.

00:10:41: Es gibt Menschen, die sich dafür schämen, dass sie nicht aus einer Akademiker-Familie stammen.

00:10:46: Es gibt Menschen, die dafür sich schämen, dass der eigene Vater oder die eigene Mutter alkoholsüchtig sind.

00:10:54: Oder dass sie verheimlichen müssen, dass sie selber mit einem Trinker zusammenleben.

00:10:58: Und und und.

00:11:00: Ich kann mich also auch schämen für Dinge, die ich nicht selber getan habe, die ich zu verantworten habe, die geschehen sind.

00:11:10: Es gibt ganz komplizierte Formen von Schaden.

00:11:12: Nach dem Holocaust haben sich Überlebende des Holocaust, Jüdinnen und Juden, die zurück nach Israel kommen, dafür geschämt, dass sie überlebt haben, obwohl die anderen in die Gaskammer gegangen sind.

00:11:26: Und es gab sogar eine Beschämung von ihnen.

00:11:29: Wie konntet ihr euch nicht wehren?

00:11:31: Warum habt ihr euch nicht gewährt?

00:11:32: Und ganz verrückt.

00:11:33: Deshalb hat man lange Zeit darüber nicht gesprochen, bis man dann angefangen hat, es öffentlicher zu machen.

00:11:41: Also ihr merkt schon, dieses Ich schäme mich kann ganz viele Gründe haben.

00:11:47: Und das dritte Beispiel ist eigentlich die Umkehrung des Ersten.

00:11:50: Nämlich schämt der sich dann gar nicht.

00:11:54: Da höre ich die Stimme einer Mutter oder einer anderen Person, die sich aufregt, wie man sich als öffentliche Person denn so kleiden kann und ob der sich nicht schämt, so schlapprig, so ungebügelt oder so ungepflegt zu erscheinen.

00:12:06: Was sollen denn da die Leute denken?

00:12:08: Das musst du nicht.

00:12:10: eine öffentliche Person, das kann auch bei einer Feier, bei einem Geburtstag, bei einer Hochzeit sein.

00:12:14: Was soll denn da die Leute denken?

00:12:16: Kennt ihr diese Frage?

00:12:18: Und was so konservativ so bürgerlich klingt, das ist sehr aktuell.

00:12:22: in einem ganz anderen Gewand, nicht im bürgerlichen Milieu, sondern in den Social Media Kanälen zeigen junge Menschen vor allen Dingen sich von ihrer schönsten Seite und ihr Leben aus der besten Perspektive.

00:12:35: Und dieser soziale Druck entsteht, dass ich das Ideal vom Körper zeige, das Ideal von einem Gesicht, das Ideal vom Aussehen, das Ideal von einem Leisteil.

00:12:48: Und das sorgt gleichzeitig für Beschämung und Selbstabwertung.

00:12:53: Es treibt sogar Leute in den Tod.

00:12:56: Denn junge Menschen gibt es, die heute denken, ich bin nicht gut genug, ich bin nicht schlank genug.

00:13:03: Ich bin nicht schön genug.

00:13:05: Ich bin nicht erfolgreich genug.

00:13:08: Ich bin nicht beliebt genug.

00:13:10: Und vieles mehr.

00:13:11: Was sollen denn die anderen denken?

00:13:14: Das gibt es ganz bürgerlich konservativ und das gibt es auch ganz hip.

00:13:19: Und das ist ein Geschäftsmodell unserer Zeit, denn die sogenannten sozialen Medien machen Geld damit, dass viele sich selbst in Szene setzen.

00:13:30: Er löst von Scham.

00:13:34: Jesus erzählt ein Gleichnis.

00:13:36: von zwei Söhnen.

00:13:38: Und der erste Sohn, der lässt ja sein Erbe auszahlen und verlässt sein Vaterhaus.

00:13:43: Er führt ein Leben in Saus und Braus, ohne Kontakt zur Herkunftsfamilie, verbraucht sein ganzes Geld und landet dann am Tiefpunkt seines Lebens im Dreck bei den Schweinebauern.

00:13:52: Er ist völlig abhängig von anderen, von den Brosamen und überlegt sich, was er jetzt sagen würde, wenn er wieder nach Hause kommt, wenn er wieder seinem Vater vor die Augen tritt.

00:14:03: wie er mit der Schande umgeht, sein Erbe verjubelt zu haben, mit der Schande der Familie, dass man nicht erzählen kann, dass der jüngste Sohn ja der erfolgreichste ist und überall bekannt und was der alles toll ist kann, sondern dass er der schwarze Schaf der Familie ist.

00:14:17: Und der Sohn sagt sich, Lukas, Fünfzehn vers Achtzehn, ich will zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen, Vater, ich bin vor Gott und vor dir schuldig geworden, ich bin es nicht mehr wert, dein Sohn genannt zu werden.

00:14:31: Nimm mich als Arbeiter in deinen Dienst.

00:14:34: So machte er sich auf den Weg zu seinem Vater.

00:14:40: Ich bin es nicht mehr wert.

00:14:41: Das ist die Stimme der Scham.

00:14:44: Die Schuldfrage ist vielleicht, wie bin ich jetzt umgegangen mit dem Besitz meiner Familie.

00:14:48: Aber die Scham, die sagt, ich werte mich als Person ab für das, was ich getan habe, für das, was mir passiert ist.

00:14:55: Nicht, ich habe Fehler gemacht.

00:14:57: Ich bin ein Fehler.

00:15:01: Ein Versager.

00:15:03: Ich bin ein Nichtsnutz.

00:15:05: Ich bin unwürdig Teil der Familie zu sein.

00:15:09: Ich bin es nicht mehr wert, dein Kind zu sein.

00:15:13: Nur noch als Arbeiter.

00:15:17: Und wie erlöst jetzt der Vater seinen Sohn von seiner Scham?

00:15:21: Naja, erlösen, wie reagiert er darauf?

00:15:24: Und da ist, glaube ich, eine Sache ganz wichtig, weil wir sehr stark geprägt sind vom Thema Schuld, auch in der Verkündigung.

00:15:30: Scham wird nicht durch Vergebung überwunden.

00:15:38: Ja, der Vater vergibt seinem Sohn seine Schuld.

00:15:40: Ich bin schuldig vor dir geworden.

00:15:42: Das ist ja auch in dieser Geschichte drin.

00:15:44: Aber die Antwort auf das Gefühl, nichts wert zu sein, die wird durch etwas anderes von dem Vater bewegt.

00:15:53: Darauf wird auf andere Weise reagiert.

00:15:56: Im Text steht der Vater umarmt den Sohn und küst ihn.

00:16:01: Und er lief ihm entgegen und er nahm ihn in die Arme und küste ihn.

00:16:06: Und das geschieht noch bevor er seinen Sündenbickern besprechen kann.

00:16:14: Und das ist überhaupt das Anspruchsvolle am Thema Scham.

00:16:18: Ich kann auch wissen, Gott hat mir vergeben, er hat ja meine Schuld genommen, er hat sie am Kreuz von Golgagal getragen, aber das Gefühl der Scham bleibt und kann mich immer noch verfolgen bis zum Tod.

00:16:33: Und deshalb auf Scham reagiert hier der liebende Vater, indem er ihn in den liebenden Arm einschließt und im liebenden Arm des Vaters.

00:16:42: Da spürt der Sohn.

00:16:45: Ich bin wertvoll.

00:16:48: Ich bin geliebt.

00:16:51: Ich bin wertgeschätzt.

00:16:53: Ich bin nicht ein Fehler.

00:16:55: Ich bin nicht ein Versager.

00:16:57: Ja, ich bin einen falschen Weg gegangen.

00:16:59: Ja, ich musste umkehren, aber ich bin würdig.

00:17:04: Ich bin ein Kind.

00:17:06: meines Vaters.

00:17:08: Ich bin wertvoll.

00:17:12: Und wenn man das auf der Ebene der Familienähre reflektiert, weil das ist nämlich die Kultur, in der die Bibel geschrieben ist, wo Scham und Ehre eine große Rolle spielt, er könnte sich ja sagen, ich habe die Familienähre beschmutzt.

00:17:28: Aber der Vater stellt die Ehre wieder her.

00:17:31: Der Vater sagt nicht, du bist nicht mehr mein Sohn, sondern er nimmt ihn bedingungslos an.

00:17:40: Der Vater verhängt hier auch keine Strafe.

00:17:42: Er kennt seit nicht seinen Sohn auch nicht als Loser, als Verlierer.

00:17:47: Er setzt ihn wieder voll und ganz ein.

00:17:50: Und er will das mit allen feiern.

00:17:52: Und der Vater lässt ein großes Fest ausregen.

00:17:55: Mit Kalbsteg und mit guten Essen und Trinken.

00:17:57: Und er sagt, seinen Sohn war tot, der Kontakt war abgebrochen.

00:18:01: Aber jetzt ist er wieder lebendig.

00:18:03: Und die Entfernung der Scham, die hat ihn ja isoliert.

00:18:07: Aber jetzt wird wieder Gemeinschaft hergestellt.

00:18:10: Die Antwort auf Scham ist also liebende, wertschätzende Gemeinschaft.

00:18:16: Und der ältere Sohn, der ist auch typisch für die Schamkultur, der versteht dieses Verhalten des Vaters nicht.

00:18:23: Der sagt, unsere Ehre, unsere Familienähre, unsere Betriebsähre, unsere Firmenähre wurde verletzt.

00:18:30: Ich bin zu Hause geblieben als älterer Sohn.

00:18:32: Ich habe die Traditionen gehalten und wir können vermuten, dass der ältere Sohn sich für den jüngeren Sohn schämt.

00:18:39: Den jungen Sohn, der das Erbe ausgezahlt hat und durchgebracht hat, der Schande über die Familie gebracht hat, der seinen Erbe mit Huren durchgebracht hat, sagt der ältere Sohn.

00:18:48: Obwohl das nirgendwo steht und er das ja auch gar nicht wissen kann, was der jüngere Sohn in der Entfernung getan hat, er hat ja auch noch gar nicht mit ihm gesprochen gehabt.

00:18:56: Aber da gibt es so ein Moment des Fremdschämens.

00:19:00: Man schämt sich für das Verhalten eines anderen, der zu einem gehört.

00:19:05: Scham für das Verhalten eines anderen, das Gefühl, die Familienähre oder Gruppenähre geschendet zu haben.

00:19:11: Und das schlägt ganz schnell in Zorn um und da steht im Bibeltext.

00:19:14: Der ältere Zorn wird wütend, dass der Jüngere vom Vater angenommen wird, dass er so geliebt und wertgeschätzt wird, dass er wieder eingesetzt wird als Kind der Familie und nicht geächtet wird.

00:19:28: Also der Vater im Gleichen, es verhält sich gerade nicht so wie die Gruppennorm von Gruppen, Ehre und Familienehre zu erwarten hätte.

00:19:38: Nicht durch Ausgrenzung, nicht durch Strafe, sondern der Vater handelt barmherzig mit Annahme.

00:19:46: Und dann versucht er auch, dem älteren Sohn gegenüber genauso entgegenzugehen.

00:19:51: Also, der Ältere bleibt in Entfernung und dann heißt es, der Vater geht zu ihm.

00:19:56: Und der Vater versucht, seinen älteren Sohn zu erlösen von seiner falschen Haltung und sagt, mein lieber Junge, Du bist immer bei mir.

00:20:04: Und alles, was mir gehört, gehört dir.

00:20:07: Aber jetzt müssen wir uns doch feiern und freuen, denn dein Bruder war tot und ist wieder lebendig.

00:20:15: Und diese gleiche Geschichte endet offen, ob der Ältere mit seinem Zorn allein bleibt und seiner Fremdscham, ob er das überwindet oder ob er das Angebot annimmt, mit zu feiern.

00:20:26: Es bleibt offen.

00:20:30: In vielen Familien gibt es ja so etwas wie ein schwarzes Schaf.

00:20:33: Jemand, der identifiziert wird.

00:20:35: Und andere, über die man ganz großartig redet, weil sie so großartig und erfolgreich und so zum Vorscheinen sind.

00:20:41: Und hier wird das eigentlich durchgespielt.

00:20:44: Und der ältere Sohn ist sogar der, der jetzt dem die Ehre fehlt.

00:20:47: Der sagt, mir wurde nicht genug einer Kannem gegeben.

00:20:50: Wir merken, wir sind so in einem ganzen Dreieck und auf beide geht der Vater zu, auf beiden geht er entgegen.

00:20:57: Und für beide hatte er die gleiche Botschaft.

00:20:59: Du bist wertvoll, du bist angenommen, du könntest mitfeiern.

00:21:05: Und Jesus erzählt dieses Gleichnis als anschauliche Beispielgeschichte, aber er erzählt damit auch, wie Gott mit Menschen umgeht.

00:21:12: Wie er löst denn Jesus Christus von ungesunder Scham?

00:21:16: Wie trägt denn der Glaube an Jesus dazu bei, dass destruktive Scham verloren wird?

00:21:23: Und meine Antwort darauf ist, dass Gott liebe ist, wie es im Johannesbrief steht.

00:21:28: Die Antwort auf Schamgefühle ist nicht Vergebung, sondern die Annahme durch Jesus.

00:21:34: und zwar in einem besonderen Weise die Annahme.

00:21:36: Im Hebräerbrief wird das reflektiert.

00:21:39: Im Hebräerbrief Kapitel II steht, jetzt haben sie alle einen Vater, sowohl Christus, der die Menschen in die Gemeinschaft mit Gott führt, als auch die Menschen, die durch Christus zu Gott geführt werden.

00:21:51: Darum schämt sich Christus nicht, sie seine Brüder zu nennen.

00:21:55: Wenn er sagt, ich will meinen Brüdern deinen Namen bekannt machen, vor der ganzen Gemeinde will ich dich loben und ehren.

00:22:05: Dieser Text sagt, dass Jesus auf die Erde gesandt wurde, um zu zeigen, wie weit die Liebe Gottes reicht und dass er alle Trennungen überwinden will und dass er möchte, dass Menschen zur Familie Gottes gehören.

00:22:18: Und diese inneren Trennungen in der Gemeinschaft sind ja die Fragen, mögen die anderen mich.

00:22:24: Kommt das gut an, was ich tue?

00:22:27: Werde ich gesehen, werde ich wahrgenommen, gehöre ich überhaupt dazu.

00:22:34: Und Jesus sagt zu diesen Fragen unmissverständlich, Ich schäme mich nicht für Dich.

00:22:40: Du bist mein Bruder, du bist meine Schwester.

00:22:42: Johannes Evangelium sagt ja, ihr seid meine Freunde.

00:22:46: Das heißt, du gehörst zu meiner Familie.

00:22:49: Übersetzt, sagt Jesus hier ja auch, ich schäme mich nicht für Dich.

00:22:54: Ich mag Dich.

00:22:56: Ich mag Dich als Schwester, als Bruder, als Familienmitglied.

00:23:00: Bei mir musst Du gar nicht gut ankommen, immer auf Dich aufmerksam machen.

00:23:04: Ich seh Dich.

00:23:05: Ich nehme Dich wahr.

00:23:08: Ich kenne Dich sogar.

00:23:09: Du darfst zur Familie Gottes gehören.

00:23:14: Ja und im Bild so vom kleinen, großer Bruderbruder, vielleicht wünscht man sich so einen großen Bruder.

00:23:19: und Jesus sagt, bildlich gesprochen, ich bin dein großer Bruder.

00:23:23: Ich bin der, der dich schützt.

00:23:24: Ich bin der, der dich in der Familie aufnimmt.

00:23:28: Jesus als großer Bruder.

00:23:31: So bezeichnet sich Jesus hier selber.

00:23:33: Darf man so menschlich von Jesus reden?

00:23:35: Die Bibel tut das.

00:23:37: Jesus möchte quasi dein großer Bruder sein.

00:23:39: Gott möchte dein liebender Vater sein.

00:23:42: Und das ist eine gute Nachricht.

00:23:44: Das ist, in meiner Sicht, eine sehr gute Nachricht.

00:23:46: Und diese Nachricht ist relevant für mich als Einzelnen, für dich und mich und für unsere Gemeinde und die Gesellschaft.

00:23:54: Weil als Gemeinde, als Gemeinschaft wollen wir uns an Jesus Christus orientieren und das heißt ja daran, wie er mit Menschen umgegangen ist und zwar auch mit den Menschen, die große Selbstzweifel hatten und sich nicht angenommen in ihrer Gesellschaft gefühlt haben.

00:24:10: Gerade den Menschen ist ja Jesus besonders liebevoll begegnet.

00:24:14: Das meinen wir, wenn wir das Wort Weltoffen benutzen.

00:24:17: Jesus war Weltoffen, denn erst den Menschen seiner Umwelt, gerade den Beschämten, den ausgegrenzten Mitgliedern seiner Gruppe mit großer Offenheit begegnet.

00:24:27: Den Menschen, die chancenlos galten, die ausgegrenzt sich betrachtet haben.

00:24:33: Den Menschen, die beschämt wurden, auch mit Gewalt, auch mit sexualisierter Gewalt.

00:24:40: Menschen, die auf der Suche nach Gemeinschaft waren und Annahme sind, Menschen, die Diskriminierung erfahren haben und Mobbing und Ausgrenzung.

00:24:47: Und das sind Dinge, die sind auch in unserer Gesellschaft da, dass Menschen die nicht einem bestimmten Körperideale entsprechen.

00:24:54: Menschen, wegen ihrer Hautfarbe, wegen ihrer sexuellen Orientierung, wegen ihrer sexuellen Identität, während ihrer Herkunft, wegen ihrer Sprache oder aufgrund von irgendeines Merkmals ausgegrenzt werden.

00:25:10: oder sich selber dafür schämen, für die Sucht in der Familie oder die eigene, für die Armut, für die Andersartigkeit, ich habe Dinge genannt.

00:25:18: Und wenn wir als Gemeinde uns vornehmen, uns an Christes zu orientieren, wie wir es im Leitbild sagen, dann wollen wir deswegen liebevoll und gemeinsam handeln, weil Jesus das so tut.

00:25:31: Das ist nämlich die Antwort von Jesus.

00:25:34: Das ist seine Antwort auf die erlösungsbedürftige Scham und Beschämungskultur, Annahme, Umarmung, da wo sie erlaubt wird, wo sie gewünscht wird, Freundschaft.

00:25:50: Deswegen nennt Jesus seine Nachfolger Brüder und Schwestern oder Freunde.

00:25:57: Und wenn es uns gelingt, als Gemeinschaft so miteinander umzugehen, dann tragen wir dazu bei, dass Menschen von falscher Scham befreit werden.

00:26:07: Wie diese Frau, die nach Jahren erst mal nur auf der Impore unsichtbar sitzend auf einmal sagt, jetzt gehöre ich dazu.

00:26:14: Jetzt kann ich mich euch vorstellen.

00:26:16: Jetzt dürft ihr meinen Namen wissen.

00:26:17: Jetzt dürft ihr meine Geschichte erfahren.

00:26:19: Jetzt möchte ich mit euch in Kontakt kommen.

00:26:21: Jetzt bin ich Teil der christlichen Gemeinde, nicht nur Zuschauer und Zuhörer.

00:26:26: Und jedes Mal, wenn es uns gelingt als Gemeinschaft in der Gemeinde, Menschen heilsam anzunehmen, liebevoll gemeinsam, wenn da spürbar wird, dass Jesus uns annimmt, dass wir uns gegenseitig annehmen.

00:26:36: Jedes Mal tragen wir zu einem gesellschaftlichen Klima bei, das von Annahme und Wertschätzung geprägt ist.

00:26:45: Und wahrscheinlich muss ich keine Beispiele dafür aufhören, dass das nicht im Moment der Gängige, die Gängige Art unserer Gesellschaft ist, miteinander umzugehen.

00:26:56: Schamgefühle heilen nicht durch Vergebung, die benötigen ganz viel Liebe.

00:27:01: Liebe Jesu Christi und auch Liebe vermittelt durch christliche Gemeinschaft.

00:27:07: Jesu schämt sich nicht, dich, seinen Bruder, seine Schwester, seinen Freund zu nennen.

00:27:12: Der will sogar so eng mit ihr verbunden sein, dass er von einer Verwandtschaft spricht, von einer Familie, von Gottesfamilie.

00:27:20: Und dann wird Gemeinde in diesem Sinne ein Ort des Vertrauens und nach Möglichkeit ein sicherer Ort, in dem falsche Scham sich lösen kann, und gleichzeitig gesunde Schamgrenzen, Grenzen von Distanz und Nähe eingehalten werden.

00:27:36: Und das ist eine gute Nachricht und die dürfen wir weitergeben.

00:27:38: Und deshalb, als letzten Bibelferst in dieser Predigt, Paulus schreibt in Römer I für sechzehn, ich schäme mich nicht für die gute Nachricht.

00:27:49: Sie ist eine Kraft Gottes, die jeden rettet, der glaubt.

00:27:55: Das ist ja auch eine Form von Schamverlust, wenn man merkt, Ich kann jetzt dazu stehen, dass ich Christ bin.

00:28:03: Und Jesus kann mich erlösen, von dem Kreislauf von Selbstabwertung, Selbstzweifel auch aus dem bösen Verhalten andere zu beschämen, mit dem berühmten Zeigebisse auf andere zu zeigen und andere abzuwerten und andere auszugrenzen.

00:28:18: Davon hat Jesus angefangen mich zu befreien.

00:28:22: Daran arbeitet Gott.

00:28:23: Und ich schäme mich nicht, diese gute Nachricht zu sagen.

00:28:27: Jesus nimmt dich mit göttlicher Liebe an.

00:28:31: Und wer das erlebt, kann das weitergeben und wird sagen, Mensch, das müssen noch andere auch erfahren.

00:28:36: Mit dieser guten Nachricht kann ich ja nicht alleine leben.

00:28:39: Deshalb sendet er uns zu allen Menschen, die wir kennen.

00:28:43: Jeder ist es wert, das zu erfahren und das zu erleben.

00:28:47: Und wenn in unserer Gesellschaft oder in der Gemeinde oder in der Familie oder im Freundeskreis Menschen beschämt und bloßgestellt werden, ist das nicht vereinbar mit christlichen Grundüberzeugungen.

00:28:59: Und Beschämung ist mit Schuld nicht vereinbar.

00:29:03: Wir können so sicher sein und so meinen Recht zu haben, dass jemand schuldig geworden ist.

00:29:08: Das ist kein Grund, die Person zu beschämen und an den Prager zu stellen.

00:29:13: Das würde Jesus nicht tun.

00:29:15: Was hat Jesus getan?

00:29:16: Er hat gesagt, wer ohne Sünde ist, wer für den ersten scheint.

00:29:22: Ich bin so froh, dass Gott ein Gott der offenen Arme ist.

00:29:25: Das heißt, wenn du Gott suchst, dann wird er dir entgegenlaufen.

00:29:29: Entgegenlaufen, dann will Gott dich willkommen heißen.

00:29:32: bei ihm zu Hause.

00:29:33: Und deshalb wende dich Gott zu, noch in diesem Gottesdienst mit deiner Erfahrung, auch mit den schmerzhaften Erfragen von Beschämung, mit zerstörerischer Schaden oder verletzender Schaden und auch mit den Verletzungen, die du vielleicht anderen zugefügt hast.

00:29:54: Und erlebe neu die Annahme durch Gott.

00:29:56: Denn Gott möchte dich sein Kind nennen durch Jesus Christus.

00:30:02: Jesus nennt sich seinem Bruder, seine Schwester.

00:30:06: Dein sein Freund, wenn du bei Jesus ankommst.

00:30:11: Willkommen bei Jesus.

00:30:19: Amen.

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